Vermittlungsablauf aus Adoptantensicht!

Immer wieder gibt es Leute, die skeptisch dabei sind, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren. Zu Recht, wenn man beispielsweise an die Kofferraumwelpen denkt, die zumeist aus dem Ausland stammen. Aber es gibt, neben den schwarzen Schafen, auch viele tolle und seriöse Vereine. Da es Bornas (jetzt Emmas) Familie am Herzen liegt, dies zu verdeutlichen, haben sie einen tollen Erfahrungsbericht und den Vermittlungsablauf aus ihrer Sicht beschrieben, den wir hier sehr gerne teilen!

„Hallo liebes Team Glück für Pfoten e.V.

Auch wir würden gerne unsere Erfahrung teilen um weitere Leute zu ermutigen, sich auf das Abenteuer „Tierschutzhund“ oder generell Tiere aus dem Tierheim/Ausland einzulassen.
Unsere Emma kam ebenfalls mit dem Transport am 12.12.20 aus Ungarn zu uns. Seitdem haben wir schon viel erlebt… Aber der Reihe nach.

Die Überlegung einen Hund aufzunehmen bestand schon seit längerer Zeit. Im Oktober 2020 wurde diese Überlegung dann nochmal vertieft, ausführlich überlegt und schlussendlich entschieden wir uns dazu einen Hund aufzunehmen. Wir erkundigten uns auf diversen Portalen und waren erschrocken wie viele Hunde ein neues zu Hause suchen. Ziemlich schnell waren wir uns einig, dass wir einen Hund aus dem Tierschutz aufnehmen wollen. Das Risiko, dass diese Hunde vielleicht schon schlimme Erfahrungen gemacht haben und dies eventuell mehr Zeit und Geduld im gemeinsamen Zusammenleben mit sich bringt, war uns bewusst. Zunächst war uns jedoch wichtig, den Hund vorab kennenzulernen und haben vorerst nur Hunde gesucht, die bereits auf einer Pflegestelle in Deutschland sind. Zum Nachteil für uns (jedoch natürlich zum Vorteil für die Hunde) waren die angefragten Hunde, die auf den Pflegestellen lebten, bereits vermittelt. Die Suche ging weiter und eines Tages fanden wir Emma, knapp 10 Monate alt, auf den ersten Blick eher unauffällig aber von der Beschreibung her genau das was wir uns vorstellten. Jedoch war Emma noch im Tierheim in Ungarn und man konnte sich kein eigenes Bild von ihr machen…

Die Suche ging also weiter. Aber im Hinterkopf war immer noch Emma und so entschieden wir uns zwei Tage später trotzdem einfach mal Kontakt zur Vermittlerin aufzunehmen, um vielleicht doch etwas mehr über sie zu erfahren. Die Antwort auf eine WhatsApp Nachricht folgte prompt und man vereinbarte ein Telefonat am folgenden Tag. Es folgte ein sehr positives Erstgespräch wo erste Fragen zum Hund und auch generelle Fragen rund um das Thema Tierschutzhund bereits beantwortet werden konnten. Nach weiterer Überlegung entschieden wir uns dann am Abend dazu Emma bei uns aufzunehmen, obwohl wir uns kein eigenes Bild von ihr machen konnten. Von da an ging alles ganz schnell. Ein Selbstauskunftsbogen wurde uns übermittelt und auch weitere Bilder und Videos wurden uns auf Anfrage ein paar Tage später weitergeleitet.

Dann wurde noch ein Termin für eine Vorkontrolle vor Ort vereinbart und obwohl wir beide mit Hunden aufgewachsen sind und auch weiterhin Hunde im engeren Familienkreis leben, konnten wir in diesem Gespräch noch etwas dazu lernen und haben hilfreiche Tipps bekommen. Das Thema der Doppelsicherung war uns tatsächlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.
Am darauffolgenden Tag hatten wir dann auch schon die Zusage, dass die Vorkontrolle positiv war und Emma bei uns einziehen darf. Der restliche „Papierkram“ wurde erledigt und das Warten begann. In der Zwischenzeit wurden uns noch weitere Bilder und Videos geschickt und die Vorfreude stieg von Tag zu Tag.

Kurz vor dem Transport wurde man nochmal ausführlich über dem Ablauf des Transports, die Zeitplanung und das generelle Prozedere am Übergabeort informiert. Durch Corona sind auch hier besondere Regelungen einzuhalten. Wenn man einverstanden ist, wird man in einer großen WhatsApp Gruppe ständig über den aktuellen Stand des Transports auf dem laufenden gehalten. Wir fuhren also gemäß Zeitplan zu dem uns zugeteilten Übergabeort. Mit minimaler Verspätung fuhr dann der Tiertransport auf den Parkplatz. Nach und nach wurden die vermittelten Hunde dann an die neuen Besitzer übergeben. Kofferraum auf, Hund in die Transportbox und schnell nach Hause.

Zu Hause angekommen konnten wir dann mit Ruhe und ohne große Hektik, Emma, nach ihrer ca. 20-stündigen fahrt aus Ungarn, langsam aus der Transportbox locken und uns beschnuppern lassen. Die ersten Schritte an der Leine in neuer Umgebung waren nicht einfach. Türen, Fußmatten und Stufen waren anscheinend völlig unbekannt, alles war neu. Somit mussten wir sie zunächst in die Wohnung tragen. Hier haben wir sie dann erstmal in Ruhe durch die Wohnung geführt und ankommen lassen. Wenig später war es dann auch schon passiert. Die erst Pipi-Pfütze entstand. Aufgrund der Menge gehen wir aber davon aus, dass sie vor Aufregung und Stress während der ganzen Fahrt eingehalten hatte. (Generell gab es nur zwei weitere Unfälle, wo wir aber vielleicht ihre Signale falsch gedeutet haben. Somit kann man also behaupten, dass sie ziemlich schnell stubenrein war.) Nach knapp einer Stunde schien es so als hätte Emma verstanden, dass für sie ein neues Leben beginnt. Sie sprang in ihr Körbchen, wälzte sich darin und auch die Couch wurde anschließend begutachtet und für gemütlich erklärt. Die ersten Tage wurde hauptsächlich gekuschelt. Nach und nach merkte man, dass Emma ihre anfängliche Unsicherheit ablegen konnte und nach nun 5 gemeinsamen Wochen, ist sie vollständig angekommen.

Dennoch gibt es selbstverständlich auch ein paar Dinge, die nicht so reibungslos funktionieren. Der Kontakt zu Artgenossen war anfangs sehr schwer. Dies zeigte sich hauptsächlich durch nervöses, ängstliches bellen auch schon aus der Distanz. Aber nach und nach verbessert sich auch dieses Verhalten. In der Nachbarschaft konnten sogar schon Hunde-Freundschaften geschlossen werden. Ein Grundgehorsam ist so gut wie gar nicht vorhanden und durch den Lockdown und die Schließung der Hundeschulen natürlich etwas schwerer zu trainieren. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir mit Mühe, Geduld und leckerlies auch diese Aufgabe meistern 😉

Mit diesem Erfahrungsbericht möchten wir Leute ermutigen sich mit dem Thema Tierschutzhund auseinander zu setzen und hoffen vielleicht dem ein oder anderen die Angst oder Unsicherheit bei diesem Thema nehmen zu können. Uns ist bewusst, dass es auch Hunde gibt, die vielleicht eine etwas längere Eingewöhnungszeit benötigen oder auch generell ängstlich und unsicher sind. Dennoch sind wir davon überzeugt, dass man auch die Adoption eines solchen Hundes nicht bereut.

Ein großes Lob geht auch an den Verein Glück für Pfoten e.V., der absolut transparent und seriös arbeitet und wir uns sicher sind, dass die Beschreibung der Tiere auch tatsächlich der Wahrheit entspricht. Von Tag 1 wurde man ausführlich informiert und man ist sogar noch bis heute in Kontakt.“